Gerhard „Hupferl“ Schmidts Erinnerungen an die Anfangszeit der Grünen im Landkreis Cham, niedergeschrieben im Jahr 2004. Gerhard war NS-Zeitzeuge, Chamer Ehrenbürger und Mitgründer der Chamer Grünen. Er ist leider 2007 verstorben.
Schon 1978 im Frühjahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern im Landkreis Cham, die mit den Altparteien unzufrieden waren, zusammengefunden. Ihr Ziel war eine vernünftige auf die Zukunft ausgerichtete, pazifistische und ökologische Politik, die die Atompolitik der Strauß und Helmut Schmidt ablehnte. In einer kleinen Partei, der AUD waren solche Ansätze da. So bildete sich im Mai ein Kreisverband aus der Gruhlgruppe und den Bürgerinitiativen, der im Oktober 1978 bei der Landtagswahl in Bayern erstmals als „Die Grünen“ antrat. Das halbe Jahr war für lauter Nichtpolitiker als Wahlvorbereitung natürlich zu kurz, aber der Chamer Kreisverband schnitt mit 2,5 % immerhin als bester in der Oberpfalz nach Regensburg ab. 1984 brachten wir dann einen Grünen in den Kreistag und 1990 waren es dann zwei. Ab 1990 hatten wir einen Grünen im Chamer Stadtrat.
Unsere Arbeit galt zunächst vor allem der Verhinderung der Wiederaufbereitungsanlage von abgebrannten Brennstäben in Wackersdorf und damit der Verhinderung der Plutoniumproduktion, die das Ziel von F. J. Strauß war. Mit Lichtbildervorträgen zogen wir durch die Landkreise Cham und Schwandorf und versuchten die Bürger zu sensibilisieren. Meist schöpfte die SPD die Ergebnisse unserer Arbeit bei den Wahlen ab.
Es ist auch heute noch schwer, den Leuten begreiflich zu machen, dass Ökologie unser ganzes Leben betrifft und dass ökologische Sünden sich auf die ganze Menschheit auswirken und die Zukunft unserer Nachkommen zerstören. In hohem Maß ist die gesamte Wirtschaft daran beteiligt und unsere Verschwendungssucht. Alle unsere Gewohnheiten müssen daraufhin untersucht werden, ob sie nicht nachhaltig negative Wirkungen auf unsere Lebenssystem haben.
Die Grünen sind die einzige Partei, die versucht, die Menschen zum Denken zu bringen und zum verantwortungsbewussten Handeln. Unser Wohlstand, unser Egoismus und unsere Bequemlichkeit sind die Hürden, die wir überwinden müssen. In den Erwachsenen hat die Jugend nur mehr schlechte Vorbilder. Damit ist auch das Bildungssystem ein Schwerpunkt grüner Politik, genauso wie der Fortschritt einer ökologisch orientierten Wissenschaft, die uns Wege weisen soll zur Überwindung der Irrwege, in die uns falsche Verführer gelockt haben. Die Rolle des Aufklärers müssen wir notgedrungen übernehmen, weil sonst weit und breit keine geeignete Kraft in Sicht ist. Rufer in der Wüste zu sein, ist keine angenehme Aufgabe, aber eine bitter notwendige.
Gerhard Schmidt
Wir heutigen Grünen des Kreisverbandes halten die Worte Gerhards in bester Erinnerung. Gerhard ist uns bis heute Vorbild für Engagement, Mut, Einsatzbereitschaft und er ist uns auch heute der Wegweiser für verantwortungsvolle Politik.
Gerhard Weiherer und Stefan Christoph, Kreisvorsitzende







