Auf Einladung von Jürgen Mistol, MdL (Bündnis 90/Die Grünen), besuchten Mitglieder des Kreisverbandes Cham die Stadt Holysov (Holleschen) zwischen Furth im Wald und Pilsen. Anlässlich des 80. Jahrestags der Vertreibung stand die Auseinandersetzung mit der bewegten und tragischen Geschichte dieses Ortes im Zentrum der Reise, um die Folgen von Krieg, Nationalismus und erzwungener Migration vor Ort nachzuvollziehen.
Die Delegation wurde von Rudolf Švec begleitet, der als „echter Holeischener“ leidenschaftlich die historischen Orte des Gedenkens vermittelte. Besonders deutlich wurde die dunkle Historie des Ortes in einem ehemaligen Glaswerk: Nach der Eingliederung in den Reichsgau Sudetenland wurde hier eine Munitionsfabrik eingerichtet, die ab 1944 als Außenlager des KZ Flossenbürg fungierte. Nach Kriegsende diente das Lager zunächst als Sammelstelle für deutsche Bewohner*innen aus der Region, bevor diese ab 1946 unter anderem über die Grenze nach Furth im Wald gebracht wurden. Ein Museumsbesuch vertiefte dieses Wissen durch Exponate zur Glasindustrie sowie zur Zeit der Munitionsfabrik zwischen 1938 und 1945 und der anschließenden Vertreibung ab 1946.
Gerade für die Oberpfalz, die historisch eng mit den tschechischen Nachbarn verbunden ist, bleibt diese Aufarbeitung von besonderer Bedeutung. Ziel des Besuchs war es, ein tiefes Verständnis für die historischen Zusammenhänge zu entwickeln. In einem Geist der Versöhnung geht es darum, einander zu verzeihen und durch gegenseitiges Verständnis eine stabile Basis für ein friedliches Miteinander zu schaffen.
Text: Christian Mayer, Grüne KV Cham
